Von Detlef Steinfeld...

...hörte ich vor einigen Tagen, er käme jetzt in ein Krankenhaus nach Bochum. Ich schrieb ihm eine mail, in der ich ihm viel Glück wünschte und endete mit der Floskel „See you!“. Da wusste ich noch nicht, wie schlecht es um ihn stand – und dass ich ihn nie wieder sehen würde. Am 17. Juli ist Detlef in der Bochumer Klinik gestorben. Multiples Organversagen.
Mit 66 Jahren, kurz vor seinem 67. Geburtstag.
Den feierten wir, in glücklicheren Jahren, mit seiner Lebensgefähtin Eva und vielen trinkfesten Gästen, in ihrem Häuschen im Westerwald.

Nachdem er viele Jahre sein Brot (und wahrscheinlich auch mehr) in der IT-Branche in Aachen verdient hatte, zog er sich frühzeitig aus dem Berufsleben zurück. So hatte er viel Zeit für sein neues Hobby, dem Spiel mit den Boulekugeln. Lange Jahre war er Kapitän der zweiten Ligamannschaft des BC Köln. Daneben war er noch Mitbegründer und Organisator der Bunten Liga Köln. Aber da kenne ich mich nicht so aus – solange ich selbst Liga spielen konnte, begnügte ich mich mit der „richtigen“.

Irgendwann, es ist noch gar nicht so lange her, konnte jeder merken: Irgendetwas stimmte nicht mit Detlef.
Er wurde Immer magerer. Auf die Frage, ob er schon einmal beim Arzt gewesen sei, reagierte er zunehmend ärgerlich. Keine zehn Pferde brächten ihn zum Arzt oder etwa ins Krankenhaus. Das kenne er von seiner Mutter – die sei zu Tode operiert worden. Und wir sollten ihm nie wieder mit diesem Thema kommen. Da war er schon sehr abgemagert und verkündete stolz, durch gründliche Internet-Recherche habe er herausgefunden, was ihm fehle: er leider unter einer Laktose-Unverträglichkeit.
Jeder seiner Boule-Freunde beobachteten das mit zunehnender Sorge. Aber wollte ja partout nicht weiter darüber sprechen. Eines Tages, er konnte kaum noch laufen, luden BC-Präsident Manni Donder und ich (damals noch Vize) unter dem Vorwand, es gäbe Ärger in seiner Ligamannschaft, zu mir nach Hause. Da musste er schon gefahren werden, seine Schwäche war zu groß. Wir aber eröffneten ihm knallhart, wenn er nicht binnen zwei Wochen ins Krankenhaus gehe, flöge er achtkant aus dem Verein. “Komisch“, sagte Detlef, „so etwas ähnliches hat Eva auch gesagt. Sie will mich aus der Wohnung werfen. Die gehört leider ihr“.

So doppelt in die Zange genommen, ergab sich Detlef tief seufzend. Es war aber keine Unverträglichkeit, sondern Diabetes. Kurz darauf kam noch eine Augenopration dazu – und dann mehrere Schlaganfälle. Detlef war jetzt an den Rollstuhl gefesselt. Wenn ihn jemand transportierte, kam er noch zu Spielen der Buntten Liga. Aber nie wehleidig.

Sein westfälischer (Galgen-)Humor wird mir fehlen.

(os)