Teil III: Der 12jährige Dominique

….Tsuroupa hat 1996 die Berliner Meisterschaft Triplette gewonnen. Steht jedenfalls so in einem Spieler-Jugendporträt in PI 54. Seine Mitspieler werden aber nicht genannt. Wahrscheinlich war Vater Boris dabei, der vielfache Deutschen Meister in den Vor-Mohr-Zeiten. Seitdem gibt „Dome“ zu den schönsten Hoffnungen Anlass. Und es ist immer ein Vergnügen, mit ihm zu spielen. 1997 war er schon 3. bei der DM Doublette in Coesfeld (mit Vater Boris).

Die Boulespielgemeinschaft Köln, der spätere BC, war in den Vereinsranglisten immer ganz gut vertreten. In der Spitzengruppe der Vereine, die mindestens fünf Spieler in der Wertung hatten, war sie regelmäßig zu finden – wenn auch nie ganz vorne. Für gute Platzierungen sorgten vor allem Kamel, Jacques Biehl, Luc Lechevallier. Klemens Mattes war anfangs auch dabei, bevor er nach Düsseldorf wechselte. Einer der konstantesten Spieler über die Jahre war – oder ist er - auch. 1996 z.B. Platz 12 in NRW, 2015 auf Platz 10. Und viele schöne Fotos hat er geliefert. Einmal waren die BCler Klaus-Jürgen Riffelmann und Kai Schröder auch auf einem Titelbild. Turnier in Ahrweiler. Dieses Foto aber war von Tröstrum. Und noch etwas Bemerkenswertes entdecke ich: Helmut Busse, langjähriger Kassierer beim BC Köln, muss in einem früheren Leben auch einmal Boule gespielt haben. Jedenfalls hat er mit Werner Bönig ein Turnier in Brühl gewonnen. So kommt schließlich alles raus!

Klaus-Jürgen gewann ´96 mit Sabine Buckermann den Bonner Mix-Becher.

Mein eigener Name tauchte eher selten auf: wenn ich Ergebnislisten nach Essen oder Darmstadt geliefert hatte. Als ich dann sehr gelegentlich auch mal ein Turnier gewann, war das zu poplig für PI. Oder es gab sie nicht mehr. Vor ganz vielen Jahren war ich mal ins Halbfinale der NRW-Hallenmeisterschaft Tête vorgedrungen, hatte an diesem Tag Abdel Alouani, Klaus „Kappe“ Völkers und Nico Beucker besiegt – und scheiterte später (ziemlich blöd) zu 12 gegen den jungen Marco Schumacher. Gewonnen hat dann Thomas Göltl. Im B-Turnier war Klaus Tröstrum bis ins Finale vorgedrungen. Nur die Finalisten A und B nannte er dann in seiner Zeitschrift. Da kamen mir doch leise Zweifel an seinem journalistischen Spürsinn.

Und was ist aus den Heroen der Plätze von damals geworden? Zaza ist immer noch ziemlich weit vorne dabei und allemal für DM-Titel gut. Kim Rieger inzwischen wieder. Banga Kirchhoff ist Lehrer in der Südeifel und veranstaltet manchmal nette Privatturniere. Thomas Hoerschgens, der Anwalt, zieht schon seit Jahren über provencalische Märkte und verkauft Kaffeemaschinen aus Glas, Christian Hempel findet man häufig am Grill, wenn am Kreuzberger Paul-Linckeufer ein Turnier stattfindet. Ansonsten schaut er gerne anderen beim Spiel zu, kümmert sich um seine drei Kinder – und wenn wirklich Not am Mann ist, holt er auch ächzend seine Kugeln hervor.

Rekordmeister Klaus Mohr ist immer noch für Überraschungen gut. Vor allem bei 55plus-Meisterschaften. Der charismatische Willi Josten ist leider viel zu früh verstorben. Malte Berger spielt immer noch in der ersten Riege von Düsseldorf sur place. Von Tino Capin hört man gar nichts mehr. Von Hubert Arians wenig. Sie haben schließlich früher reichlich Lorbeeren gesammelt, letzterer auch als Trainer. Tröstrum hat sich nach Südfrankreich verzogen. Und Jürgen „Joppo“ Albers verkauft immer noch Kugeln. Im Sommer bei den großen Turnieren. Und betreibt einen online-Kugelshop. Oder bietet von ihm organisierte Boule-Events an. Auf seiner Homepage findet man auch alle Meister von 1992 bis 2002. Was man sonst nicht so findet: er listet alle Akteure bis runter zum Viertelfinale auf.

Jürgen Berke, der Förderer des jungen Kim, spielt inzwischen nur noch selten. Er hat aber jetzt einen noch jüngeren Spieler unter Vertrag: seinen Sohn Simon. Der hat schon mal in der Vaucluse einen Riesen-Pokal gewonnen. Jürgen selber hat im vergangenen Herbst beim Kult-Turnier „Georgs Gans“ ein Töpfchen Gänseschmalz gewonnen – allemal nahrhafter als diese Schrecklichkeiten aus Metall und Marmor.

In gewisser Weise wurde ich zu Zeiten von PI und „au fer“ über das Boulegeschehen weitaus besser informiert als das heute möglich ist. Der regelmäßige Überblick über die vielen Turniere und Meisterschaften in den Bundesländern und Regionen fehlt weitgehend. Ach was: völlig. Das Internet ist natürlich so viel schneller als die beiden Boulemagazine je sein konnten. Man musste nur einige Wochen warten – dann aber war alles da. Alle Ergebnisse zwischen Waldmohr und Schwabmünchen, Altona, Saarwelligen und Coesfeld.

Heute müsste ich auf die Internet-Präsenz von BaWü, Nord oder vom Saarland gehen, da könnte ich – eventuell – einige Ergebnisse finden. NRW hat auf seiner Homepage eine Rubrik „Ergebnisdienst“. Einige Vereine nutzen das, andere nicht. Düsseldorf sur place veranstaltet zwar wunderbare Turniertage am Rhein. Für die Ergebnisse aber muss der Interessent wochenlang warten, bis dann auf der Vereinsseite die sogenannte Dokumentation erscheint. Für den Ergebnisdienst auf BPV-NRW ist man sich zu fein – oder zu faul.

Feuilletonistisches, wie in „au fer“, findet sich heutzutage nirgendwo mehr. Das Blatt des Jürgen Albers war immer ein Tick anspruchsvoller als die Konkurrenz. Die Leser- Anfrage, ob der alte Film „Fanny“ von Marcel Pagnol wohl etwas mit dem berühmt-berüchtigten Hinterteil einer drallen Frauensperson zu tun habe, konnte verneint werden. Aber da „Fanny“ und zwei weitere Erfolgsfilme des Autors und Regisseurs Pagnol in der Provence spielen (und einer auch eine berühmte Petanque-Szene enthält) werden sie von mehreren Autoren ausführlich gewürdigt – aber nicht von den Cinema-Spezialisten Mohr und Capin.

Immer nur Turnier-Ankündigungen, Ergebnisse und Kugelprotokolle können ja auch mal fad werden. Hintersinnige Betrachtungen von Wilm Froese aber rundeten jedes Heft ab (Wilm ist auch schon im Boulehimmel, wo er sich den langen Bart raufen mag).

Immer mal wieder kommt Christoph Roderig aus Münster mit der Idee um die Ecke, doch wieder ein bundesweites Boule-Blatt zu starten. Und macht genaue Marktanalysen. Ich befürchte, jede Zeit hat die Kommunikationsmittel, die zu ihr passt. PI und „au fer“ haben damals gut informiert, manchmal gut kommentiert, Anregungen und Vorschläge geliefert, gaben auch Anlass für Wutanfälle und Beleidigungen. Wie das so ist auf dem Platz. Und nachher. Aber ich befürchte, selbst Roderig bekommt die Zahnpasta nicht in die Tube zurück.

Beinahe hätte ich die ehemals winzige Daniela vergessen. Die ist immer noch ganz vorne dabei. Platz 10 in NRW, Platz 5 auf der DPV-Rangliste Frauen. Und sie hat im Jahre 2004 mit Lara Eble, Gudrun Deterding und Annika Hess eine Silbermedaille bei der Damen -Weltmeisterschaft in Maspalomas erspielt.

 

So weit hat es ein Herren-Team aus Deutschland nie gebracht. Jedenfalls nicht bei den Erwachsenen.

 

(os)