Die winzige Daniela...

….Thelen war damals auch schon dabei, in den Neunziger Jahren. In grauer Boule-Vorzeit. Ich selbst habe vor etwa 25 Jahren mit dem Spiel angefangen, Daniela spielte im Innenhof des Kölner Fort I im Halb-Finale des Kölner Sextetts. Da habe ich sie mit ihren Eltern und Bruder Thomas zum ersten Mal gesehen. Ihr Team hieß "Wolkenkratzer" und Daniela war zwölf. Ich glaube, ich bin damals nur zum Zuschauen in die Südstadt gefahren. Und ich erinnere mich noch an Andi Globig, wie er seine Kugeln hoch in die Luft zwirbelte, hinter der gegnerischen Kugelmauer 20 Zentimeter neben der Sau landete – und seine Kugel noch nach rechts steppte, damit 10 Zentimeter neben dem Schwein in stiller Schönheit liegen blieb. Ich wunderte mich einer Nippeser Spielerin gegenüber über das unverschämte Glück, dass so eine Kugel nicht nur einfach liegenblieb, sondern auch noch näher zum Schwein rollte. „Glück?“ sagte Anette mit der ganzen Verachtung einer Spielerin, die schon ein halbes Jahr länger dabei war: „Von wegen Glück, der Globig spielt mit Effet, das war GEWOLLT.“

Zurück zur winzigen Daniela im schlecht beleuchteten Finale. Sie tat mir sehr leid, weil ich in ihrer Mutter so eine Art Eislauf-Mutti wähnte, die ihr Kind gnadenlos zum Erfolg hetzt. Später hat sie mir mal erzählt, dass es eher umgekehrt war: sie und ihr Bruder Thomas hätten in Ahrweiler mit dem Kugelspiel angefangen – und dann ihre Eltern angefixt.

Das sind so Erinnerungen, die in mir hochstiegen, als ich nach einem Wasserschaden in einem Abstellraum dicke Stapel alter Zeitschriften rettete, die ich da vor etwa zehn Jahren ausrangiert hatte.

Es handelte sich dabei um viele Jahrgänge der Zeitschriften „au fer“ und „Petanque Magazin“, später PI (Petanque International) aus Essen. Die älteste dabei ist ein Blatt namens „Boule“, herausgegeben von einem Gerald Matz, über den ich nichts weiter herausgefunden habe, dass er wohl ein Bruder von Bernd Matz gewesen sein muss. Dem Kugel-Importeur aus Witten – und über die Marke Obut schwer verbandelt mit PI.

Ich habe manchmal Schlafstörungen. Und so habe ich mir so zwischen drei und vier Uhr morgens immer zwei bis drei der alten Zeitschriften reingezogen. Über Bernd Matz habe ich da so einiges in den gerne abgedruckten Leserzuschriften in „auf fer“ gelesen. Die beiden Blätter konkurrierten ja im selben umgrenzten Markt, da blieben Nickeligkeiten nicht aus. Aber so erfuhr man wenigstens das eine oder andere von hinter den Kulissen. „Au fer“ scheute sich auch nicht, einen Brief von einem BaWü-Vereinsvorstand abzudrucken, der der Zeitschrift des Jürgen Albers ein Platzverbot für seine künftigen Turniere verhängte: mitnichten habe es, wie es im Turnierbericht hieß, im Finale betrunkene Spieler gegeben. Es seien vielmehr bereits ausgeschieden Spieler gewesen.

Ich habe noch die erste Nummer von „au fer“ mit dem Untertitel „Das ultimative Kugelmagazin“. Man musste sich absetzen vom „Petanque Magazin“, das es schon etwas länger gab. Diese Nr. 1 ist vom August 1993 und kostete Fünf Mark. Auf dem Titel ein schwarz-weiß-Foto von Kader Chalal, der damals eine ganz heiße Nummer aus Essen war. Ich habe ihn mal bei einem Düsseldorf ouvert (damals noch nicht am Rheinufer) mit Kamel Bourouba im Doublette erlebt. Da war die Luft hoch aufgeladen zwischen den beiden Alphatieren. Nur schade, dass ich die gezischten Beleidigungen und Vorwürfe nicht verstanden habe. Was muss man noch Gegner haben, wenn man schon einen Partner hat...Auf der Rückseite dann Nico Beucker beim Euro-Petanque, kaum zu erkennen mit seinem riesigen Wollschopf.

In einem langen Editorial betonen die Herausgeber Albers und Stahl, „au fer“ solle keine Hauspostille des Verbandes werden, „sondern diesem ihr kritisches Augenmerk widmen, wenn es denn die Debatte um die Urteilsbildung fördert und so die Streitkultur in der Szene sowie im DPV entwickeln hilft.“ Und man ist bescheiden: Abos könne man erst akzeptieren, wenn drei Nummern im monatlichen Rhythmus geschafft seien. Zwei Seitenhiebe auf die Konkurrenz aus Essen können sich die Herausgeber trotz ihres leicht staatsmännischen Tonfalls aber nicht verkneifen.

Wenn man sich als Leser beider Zeitschriften auf eines verlassen konnte, war es auf Jahre hinaus folgendes: die langwierigen Erklärungen und Entschuldigungen der „au fer“- Chefs, weil wieder mal eine Nummer nicht pünktlich erschienen war – und bei PI die Tatsache, dass jede Nummer mindestens drei Fotos von „Banga“ Eberhard Kirchhoff enthielt. Jedenfalls so lange er Chefredakteur in Essen war.

(Der Bericht des ins Zeitschriften-Archiv entsandten Reporters (os) wird fortgesetzt)